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Zeitgemäße Lernkonzepte müssen her

Nicht nur PISA und DELPHI zwingen die Pädagogik zur Revision althergebrachter Lerntheorien. Auch neue Erkenntnisse aus der Entwicklungspsychologie und den Neurowissenschaften machen ein Umdenken unumgänglich.

Der Pisa-Schock und die Weissagungen des Delphi-Orakels

PISA legte Defizite des Bildungssystems offen

Als im Jahre 2000 die OECD erstmals ihre internationale Schulleistungsstudie veröffentlichte, wurde im öffentlichen Diskurs sehr schnell von einem PISA-Schock gesprochen. Die zuletzt 2006 durchgeführte PISA-Studie konnte dann zwar einige Verbesserungen im deutschen Bildungssystem feststellen, zeigte aber auch weiterhin Felder auf, beispielsweise im Bereich der Lesekompetenz oder der Kopplung zwischen sozialer Herkunft und Kompetenz, bei denen noch Handlungsbedarf besteht (vgl. Prenzel u.a. 2007).

Ein tiefgreifender Wandel der Bildungslandschaft wird prognostiziert

Dass dieser Schock gar nicht so unerwartet kam, wie vielleicht gemeinhin der Eindruck entstehen konnte, zeigt folgender Sachverhalt: Bereits in den 90er Jahren wurde vom Bundesministerium für Bildung eine Delphi-Studie in Auftrag gegeben, die sich in zwei unterschiedliche Phasen aufteilte, in das sogenannte Wissens-Delphi (1996) und das Bildungs-Delphi (1998). In der ersten Phase wurden Wissenschaftler zur zukünftigen Wissensgesellschaft und ihrer maßgeblichen Potenziale und Dimensionen befragt. Die daraus abgeleiteten Erkenntnisse bildeten dann in der zweiten Phase die Grundlage, um Bildungsexperten zu den Folgerungen für die Gestaltung von Bildungsprozessen und –strukturen zu befragen. Demnach wird für das Jahr 2020 prognostiziert, dass im Bereich der schulischen Bildung, will sie den Anforderungen der Wissensgesellschaft gerecht werden, nicht mehr die Vermittlung von spezifischer Fachkompetenz im Vordergrund stehen wird, sondern die lerntechnische/lernmethodische, die psycho-soziale sowie die Fremdsprachenkompetenz die wichtigsten Kompetenzen sein werden.

Welche Anforderungen die Wissensgesellschaft an die Pädagogik stellt

Für die allgemeinbildenden Schulen wurde deshalb, was die Lernarrangements und Methoden betrifft, ein dringender Reformbedarf festgestellt und fünf Faktoren benannt, die für den Erwerb der zukünftig erforderlichen Kompetenzen notwendig sind: Interdisziplinarität, projektbezogenes Lernen, selbstgesteuerte Lernformen, mediengestütztes Lernen sowie Lernen in Teams. Dies erfordert aber wiederum einen Rollenwandel sowohl der Lehrenden als auch der Lernenden. Lehrkräfte sind dann nicht mehr in erster Linie Wissensvermittler, sondern vielmehr Berater und Moderatoren im Lernprozess, was wiederum von den Lernenden eine wesentlich aktivere Rolle erfordert, da sie nun als Mitgestalter von Lernprozessen agieren (vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung 1998).

Neue Erkenntnisse aus "benachbarten" Wissenschaften

Kinder sind zu intentionalem Lernen fähig

Die Forderung, dass in der Pädagogik ein Umdenken stattfinden muss, stützt sich weiterhin auf neue Erkenntnisse, die in der letzten Dekade im Bereich der Entwicklungspsychologie und der Neurowissenschaften gemacht wurden. So kann beispielsweise die These, dass Kinder zu intentionalem Lernen nicht in der Lage seien, da es ihnen an den notwendigen strategischen, selbstregulativen und metakognitiven Fähigkeiten fehle, so nicht mehr aufrecht erhalten werden (vgl. Kunze/Gisbert 2007, S. 53).

Schon Vorschulkinder reflektieren ihre Wissensaneignung

Vielmehr verfügen Kinder über eigene intuitive Theorien und versuchen, neue Informationen in ihre alternativen Weltbilder zu integrieren, was also jenen Vorgang beschreibt, den bereits Piaget als Akkomodation bezeichnet hatte. Allerdings konnte festgestellt werden, dass Kinder bereits im Vorschulalter "nicht nur empirische Beobachtungen zur Bildung, Prüfung und Revision eigener intuitiver Theorien über die belebte und unbelebte Natur [nutzen], sondern sie auch bereits im Vorschulalter zu (rudimentären) Reflexionen über diesen Prozess fähig [sind]." Elsbeth Stern bringt die grundlegende Erkenntnis wie folgt auf den Punkt: "Die Frage, worin sich Kognition von Kindern und Erwachsenen unterscheidet, wird heute mit "anders wissen" und nicht mit "besser denken" beantwortet." (Stern 2006, S. 135).

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